Warum Übersetzer und Redakteure überraschend viel gemeinsam haben
Übersetzer und Redakteure machen technische Informationen zugänglich. Aber es gibt noch mehr Parallelen zwischen beiden Berufsfeldern, wie ich auf meinem Weg von der Fachübersetzerin zur Technischen Redakteurin feststellen konnte.
Acht Monate Theorie lernen und dann drei Monate als Praktikantin wieder „erste“ Berufserfahrungen sammeln – lohnen sich die Mühe und der Berufswechsel überhaupt? Das ist eine der Fragen, die mir am häufigsten gestellt werden. Nicht ohne Grund: Schließlich habe ich nicht nur meinen Beruf als technische Übersetzerin gegen den der Technikredakteurin getauscht. Sondern auch meine Selbstständigkeit gegen eine Festanstellung und das Homeoffice gegen einen Büroarbeitsplatz auf Phoenix-West in Dortmund.
Neues und doch vertrautes Berufsbild
Von Beginn an fühlte sich die 1-jährige Weiterqualifizierung inhaltlich vertraut an: Natürlich gab es einige Themen, die neu waren, wie das Umsetzen juristischer und normativer Anforderungen, das Gestalten von Warnhinweisen oder das Arbeiten mit einem Redaktionssystem. Trotzdem arbeite ich weiterhin mit Betriebsanleitungen und anderen technischen Dokumenten. Ich mache Texte und komplexe Technik wie früher verständlich. Und ich habe immer noch ein bisschen mit meinen Arbeitssprachen Englisch und Französisch zu tun.
Bei einigen Lerninhalten, wie übersetzungsgerechtes Schreiben, hatte ich keinerlei Schwierigkeiten, mich in sie hineinzudenken. Und das Wissen über Terminologie-Management, mehrsprachige Dokumenterstellung oder computergestützte Übersetzungen habe ich bereits mitgebracht. Gefühlt habe ich also nicht „den Beruf gewechselt“, sondern eher die Branche.
Aus derselben DNA geschnitzt
Tatsächlich haben Übersetzer und Redakteure mehr Gemeinsamkeiten als man denkt. Die einen übersetzen aus der Fremdsprache in die Muttersprache. Die anderen aus der Ingenieurssprache in eine für Produktnutzer verständliche Sprache – auf Deutsch, aber auch mal auf Englisch. Man kann sich das so vorstellen: Konstrukteure erklären mir die Funktionsweise des Produkts und ich mache daraus logische Handlungssequenzen mit Handlungsanweisungen.
Beide wissen also um die Bedeutung konsistenter Fachterminologie und eines einheitlichen Sprachstils. Beide sind Profis darin, die Regeln in einem Redaktionsleitfaden umzusetzen, fehlende Informationen akribisch zu recherchieren oder Informationen auf ihre Logik hin zu prüfen. All das sind Basis-Kompetenzen, die beide Berufsgruppen teilen.
Von der Post- zur Präedition
Übersetzungen werden in der Technischen Dokumentation in der Regel maschinell erstellt und nachbearbeitet. Das verzahnt beide Berufe noch enger miteinander: Redakteure prä-editieren, um Informationsprodukte für eine KI-Übersetzung vorzubereiten, und Übersetzer post-editieren, indem sie die maschinellen Vorübersetzungen korrigieren. Beide Tätigkeiten müssen für optimale Übersetzungsergebnisse Hand in Hand gehen. Das heißt, meine Übersetzungskenntnisse ist für die Präedition durchaus nützlich. Meiner Meinung nach wird das (KI-)übersetzungsgerechte Schreiben in der Technischen Dokumentation immer wichtiger werden. Das eröffnet Übersetzern ein weiteres, spannendes Tätigkeitsfeld.
Modular schreiben und in Textbausteinen denken
Auch die Herangehensweise an die Dokumenterstellung ähneln sich. Der Technische Redakteur ist ein Informationsmanager: Inhalte werden in Informationseinheiten erstellt und als Module, Knoten und Fragmente in Redaktionssystemen verwaltet. Diese Fragmente werden in neuen Informationsprodukten einfach wiederverwendet – und um neu geschriebene Fragmente ergänzt. Modulares Schreiben kennt man vom Übersetzen, das Prinzip heißt nur anders: Text-Recycling, Segmentierung und Matches.
Hat sich die Weiterbildung nun für mich gelohnt? Absolut! Ich bin heute zertifizierte Technische Redakteurin, die ihre Spezialisierung „Softwarelokalisierung, Übersetzung und Terminologie“ direkt mitgebracht hat. Damit bleibt die Schnittstelle zwischen Sprache und Technik mein berufliches Zuhause – und eröffnet mir gleichzeitig eine bessere berufliche Perspektive.
Übrigens, genau dafür schafft die Weiterbildung bei tecteam das nötige Fundament: praxisnah, strukturiert und individualisierbar.
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